• „Magst du dir mal ansehen, was ich gerade am Kassensystem geändert habe?“
  • „Sollen wir demnächst mal wieder richtig Party machen gehen?“
  • „Ich habe hier einen Textauftrag zu vergeben. Willst du den übernehmen?“

Ich könnte die Liste mit Fragen fortsetzen, auf die ich in der letzten Zeit mit Nein geantwortet habe. Jedes einzelne davon ist mir recht leicht gefallen.

  • Bei der ersten Bitte habe ich gerade mitten in einer konzentrierten Tätigkeit gesteckt, aus der ich nicht rausgerissen werden wollte. Steves Kassen-Änderungen mussten daher warten.
  • Party zu machen entspricht selten meinem Bedürfnis.
    Wenn Steve feiern gehen will, kann er das auch ohne mich machen.
  • Die Anfrage für den Textauftrag war zwar interessant, hätte mich aber Zeit gekostet.
    Zeit, die mir für andere Dinge wichtiger ist – also Nein.

Ich liebe und brauche Ruhe

Nein sagen musste ich erst lernen

Früher – also vor ungefähr 10 Jahren – wäre mir das Nein nicht so leicht über die Lippen gekommen. Damals war es mir wichtig, immer hilfsbereit zu sein und es anderen recht zu machen.

  • Jemand stört mich bei einer konzentrierten Aufgabe?
    Kein Problem, ich springe!
  • Party machen, obwohl ich null Bock darauf habe?
    Klar, Hauptsache mein Partner ist glücklich!
  • Noch mehr Arbeit aufhalsen, obwohl ich schon genug zu tun habe?
    Logisch, irgendwie packe ich das auch noch.

Dass ich dabei total über meine Grenzen gegangen bin, habe ich viel zu spät gemerkt. Die Anzeichen waren zwar da, aber ich habe sie einfach ignoriert.

Nachts konnte ich schlecht schlafen, weil sich meine Gedanken ständig im Kreis gedreht haben. Tagsüber war ich entsprechend müde und oft gereizt. Anstatt mir Ruhe zu gönnen, habe ich mich noch mehr zusammengerissen. Und kaum kam jemand mit einer weiteren Bitte um die Ecke, habe ich schon wieder brav genickt.

Nicht Nein sagen zu können, hat mich total geschlaucht. Interessant war, dass ich anderen ein Nein nicht übel genommen habe. Im Gegenteil, ich fand das sehr selbstbewusst und hätte es auch gerne gekonnt.

Warum Nein sagen so schwerfällt

Wenn ich dich jetzt fragen würde, ob du fließend Chinesisch sprichst, würdest du wahrscheinlich Nein antworten. Das Wörtchen an sich lässt sich also ziemlich leicht aussprechen. Jeder kann es.

Es geht also nicht um das Wort an sich, sondern um die damit verbundenen Ängste, Befürchtungen und Bedürfnisse, wenn du eine Anfrage ablehnst.

  • Du willst niemanden verletzen
  • Du fürchtest dich vor der Reaktion des anderen
  • Du möchtest niemanden enttäuschen
  • Du möchtest immer hilfsbereit und freundlich sein
  • Du brauchst das Gefühl, gebraucht zu werden.

Es kann tatsächlich sein, dass dein Gegenüber über dein Nein verärgert, frustriert oder enttäuscht ist. Das ist aber sein Thema, nicht deines. Wie der andere mit diesen Gefühlen umgeht, liegt nicht in deiner Verantwortung.

Diesen Punkt wirklich zu verstehen und zu akzeptieren, ist wichtig.

Ein Nein zu anderen ist ein Ja zu dir selber

Was glaubst du, wie viel Lebenszeit du noch hast: wirst du 59, 62 oder 93 Jahre alt?
Wahrscheinlich wirst du antworten, dass du keine Ahnung hast und ich kann es dir auch nicht sagen.

Genau das ist der entscheidende Punkt: Unsere Lebenszeit ist begrenzt. Dir und mir stehen täglich 24 Stunden zur Verfügung. Davon gehen einige fürs Schlafen, Essen und andere notwendige Dinge drauf.

Selbst wenn du dich auf den Kopf stellst, wirst du in diesen 24 Stunden niemals allen Erwartungen und Anforderungen an dich gerecht werden. Du kommst also nicht drumherum, Grenzen zu setzen.

Indem du jede Aufgabe übernimmst, raubst du die Zeit für deine eigenen Interessen und Bedürfnisse. Wenn du dich aber nicht um dich selber kümmerst, gehst du irgendwann auf dem Zahnfleisch.

Wem ist dadurch gedient?
Genau, niemanden.

Ich brauche Zeit für mich alleine

„Ich kann halt nicht anders“

Von vielen Frauen höre ich, sie seien halt so oder sie können nicht anders. Sie wurden dazu erzogen, höflich und hilfsbereit zu sein.

Kenne ich, ging mir auch so. Trotzdem sind das Ausreden.
Wenn du wirklich Nein sagen lernen willst, dann kannst du das auch. Veränderung ist jederzeit möglich.

Es kann natürlich sein, dass du dich erst dadurch wertvoll fühlst, indem du dich für andere aufopferst. Gleichzeitig wirfst du anderen vielleicht vor, dass sie dich auszunutzen. Obwohl du ständig für alle da bist, bekommst du kaum etwas zurück. Du fühlst dich behandelt wie ein Fußabtreter.

  • Wieso sollten die anderen jedoch Respekt vor deinen Bedürfnisse haben, wenn du sie selber nicht respektierst?
  • Wie sollen sie deine Grenzen erkennen, wenn du diese nicht absteckst?

Ich selber habe mehr Achtung vor Personen, die ganz klar ihre Meinung äußern als vor ständigen Ja-Sagern. Bei ersteren weiß ich wenigstens, woran ich bin.

Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter. Dauernde Ja-Sager finde ich sogar ziemlich langweilig. Ich vermisse Ecken und Kanten, die sie zu einer greifbaren Persönlichkeit machen. Getoppt wird das nur durch Personen, die immer „ist mir egal“ antworten.

So ein Esel weiß, was er will.

Wie du Nein sagen lernst

Auch ich habe es lernen müssen, Nein zu sagen. Es gab Bereiche, in denen es mir leichter gefallen ist und andere, in denen ich mehr Schwierigkeiten damit hatte. Vielleicht kannst du dich besser von Freunden abgrenzen als von Kollegen? Oder dir fällt es leichter, einem Bekannten eine Bitte auszuschlagen als deinem Partner?

Fang einfach mit einem Bereich an, der nicht direkt die größte Hürde darstellt.
Bevor du bei der nächsten Bitte reflexartig zusagst, überlege zuerst:

  • Welchen Preis zahlst du für dieses Ja?
  • Sagst du mit gutem Gefühl Ja oder ärgerst du dich im Nachhinein darüber?
  • Fühlst du dich zu dem Ja genötigt?

Du musst nicht bei jeder Bitte sofort antworten. Manchmal kann es auch hilfreich sein, erstmal in Ruhe darüber nachzudenken. Das verschafft dir auch Zeit, ein Nein zu formulieren, mit dem du dich wohl fühlst.

„Ich versuche es“

Mit dieser Antwort lügst du dir und dem anderen in die Tasche. Sie zeigt im Grunde deutlich, dass du Nein sagen willst, dich aber nicht traust.

Denk an dein Selbstwertgefühl: du hast jedes Recht der Welt dazu, eine Bitte abzulehnen. Menschen, denen du wirklich am Herzen liegst, werden dafür Verständnis haben.

Daraus ergibt sich die Frage: wieso willst du es Leuten recht machen, denen dein Wohlergehen egal ist?

Lass es dir gutgehen!

Ich sage Ja zum Nein

Ich bin noch immer gerne hilfsbereit, daran hat sich nichts geändert. Inzwischen achte ich aber darauf, dass ich es aus freien Stücken mache und nicht, weil mich irgendein ungesundes Denkmuster dazu drängt.

Außerdem habe ich bei vielen Entscheidungen noch immer die Möglichkeit, meine Meinung zu ändern. Das heißt, aus einem Nein kann ich noch immer ein Ja machen – wenn ich das möchte.

Und im Zweifel gilt noch immer der Spruch: welchen Teil von Nein hast du nicht verstanden?

Möchtest du lernen, selbstbewusst Nein zu sagen? 

Dann trage ich hier in meinen kostenfreien E-Mail Kurs ein „Wie du in 5 Schritten mehr Selbstvertrauen gewinnst“.