Immer mehr Menschen interessieren sich dafür, für eine Weile – oder dauerhaft – in einem Van zu leben. Einerseits ist die Vorstellung total spannend, andererseits kann sie auch einschüchternd sein.

Gerade wenn du alleine reisen möchtest, kommen unter Umständen Zweifel oder Ängste auf. Wie gefährlich ist es? Wie gehe ich damit um, wenn ich mich einsam fühle? Wie halte ich Kontakt zu meinen Freunden?

Mandy lebt seit zwei Jahren in einem Van und reist seitdem alleine durch Europa. In diesem Interview gibt sie dir ganz persönliche Einblicke in das Vanlife als Frau – viel Spaß!

MandyRaasch Schweden 2 - Nima Ashoff - Hundum glücklich statt tierisch gestresst

Von einer, die auszog, um im Van zu leben

Mandy, du lebst seit zwei Jahren alleine in einem Van.
Wie bist du auf die Idee dazu gekommen?

Ich bin schon immer sehr gern und viel gereist und hatte in den letzten Jahren durch meine Selbständigkeit oftmals das Arbeiten unterwegs ausprobiert. Dazu habe ich einfach meinen Laptop mit auf Reisen genommen und mir Apartments oder Zimmer gemietet, in denen ich in Ruhe arbeiten konnte. Das klappte auch super – so konnte ich noch länger und entspannter reisen und stand nicht so unter Zeitdruck, in kurzer Zeit möglichst viel sehen und erleben zu müssen. Das gefiel mir sehr gut, allerdings war es noch nicht perfekt.

Denn eines fand ich am Reisen immer anstrengend und umständlich: mich in fremden Wohnungen / Zimmern wohlzufühlen. Aus diesen anfänglichen Versuchen des digitalen Nomadentums wuchs der Wunsch heraus, weiterhin viel reisen zu können, aber mein Zuhause immer dabei zu haben. Die logische Konsequenz daraus: ich brauche ein rollendes Zuhause!

So war die Idee mit dem Wohnmobil geboren, obwohl ich überhaupt keine Ahnung davon hatte und auch vorher noch nie im Wohnmobil unterwegs war.

Zum Glück ging mein Plan auf und das Leben im Wohnmobil passt für mich perfekt!
Ich kann reisen so lange und so schnell oder langsam wie ich möchte, habe alles dabei was ich benötige und genieße inzwischen diese Freiheit seit über zwei Jahren.

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Mandy erlebt unterwegs einiges

Wie lange hast du gebraucht von der Idee bis zum Einzug? 


Die Idee habe mit dem Wohnmobil habe ich schon länger mit mir herumgetragen und immer mal darüber nachgedacht, dass ich das „irgendwann“ mal ausprobieren will. Anfang 2014 habe ich über diese Idee auch im Blog geschrieben. 

Auf einer Reise durch die Mongolei (noch ohne Wohnmobil) im Sommer 2015 gemeinsam mit Freunden fiel dann die Entscheidung: ich kaufe mir einen Van und mache das jetzt einfach!

Der Kauf des Vans war dann binnen zwei Monaten recht flink erledigt, die Lieferung ließ jedoch noch weitere 8 Monate auf sich warten, so dass ich im Juni 2016 endlich losfahren konnte.

Hättest du dir gewünscht, das Ganze mit einem Partner an deiner Seite zu machen?

Einen Partner hätte ich natürlich gerne dabei gehabt. Aber dass niemand da war, hielt mich nicht davon ab meinen Traum umzusetzen.

Vielleicht war es sogar deshalb so einfach das alles durchzuziehen – schließlich musste ich ja „einfach nur“ meine Idee umsetzen und brauchte nicht auf andere Wünsche und Vorstellungen Rücksicht nehmen. Aber auch wenn das jetzt egoistisch klingt: klar, mit Partner wäre das ganze sicherlich spannender und vieles auch einfacher.

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Ein Jahr lang warst du alleine unterwegs, seit einem Jahr begleitet dich dein Hund Marko.
Hast du als Frau keine Angst, alleine zu reisen?

Bisher hatte ich unterwegs noch keine negativen Erlebnisse alleine als Frau.

Ich bin generell nicht sehr ängstlich und vertraue auf meine Intuition. Schließlich kann ich mich eh nicht gegen alle „Unsicherheiten“ schützen. Ein bisschen Vorsicht ist immer und überall angebracht. Generell höre ich auf mein Bauchgefühl – wenn ich unterwegs bin und mich an einem Ort nicht wohl fühle (warum auch immer), dann fahre ich einfach woanders hin. Auch zum Thema Angst habe ich einen Beitrag geschrieben 

Welche Gedanken sind dir vor deinem Umzug in den Van durch den Kopf gegangen? Gab es Ängste oder Zweifel, mit denen du zu tun hattest? Wie bist du damit umgegangen?

Die Euphorie und Vorfreude hat anfangs viele Bedenken erst mal überdeckt. Aber in ruhigen Momenten oder in Gesprächen mit Freunden und Familie kamen Themen auf, die mir durchaus etwas Kopfzerbrechen bereitet haben.

Wie wird es mit der Arbeit funktionieren? Werde ich weiterhin problemlos neue Projekte finden, auch wenn ich nicht mehr in Berlin bin? Wie reagieren meine Kunden, wenn sie erfahren, dass ich jetzt im Van durch die Gegend fahre und von dort aus an ihren Webseiten bastle?

Der Van?
Was passiert wenn etwas kaputt geht (ich habe keine Ahnung von Autos)? Was, wenn er geklaut wird?

Auch das Thema alleine reisen als Frau hat mich beschäftigt. Zwar bin ich schon oft alleine verreist, aber dauerhaft alleine in einem Auto zu leben – das ist noch mal eine andere Nummer.

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Mandy mit ihrem Hund Marko

Am Ende habe ich das alles immer recht rational betrachtet und durchdacht und festgestellt – egal was passiert: ich kann jederzeit diese „Projekt Vanlife“ abbrechen und nach Berlin zurückkehren. Aber den Versuch wollte ich auf jeden Fall wagen, um herauszufinden, ob dieses Leben auf Rädern wirklich das ideale Format für mich ist.

Und was soll ich sagen?
Die Entscheidung war genau richtig – seit über zwei Jahren lebe ich meinen Traum und ich bin froh, dass ich mich von den vielen kritischen (und sicherlich gut gemeinten) Ratschlägen und Zweiflern nicht davon abbringen ließ, mein Ding durchzuziehen. „

Gibt es Momente, in denen du dich einsam fühlst und was machst du dann?

Natürlich gibt es auch Momente unterwegs, in denen ich mich einsam fühle und mir einen Partner an meine Seite wünsche. Dann muss meistens mein Hund Marko herhalten, der dann ganz intensiv durchgekuschelt wird (ich glaube er genießt das auch…). Oder ich telefoniere mit Freunden und ich heule mich bei ihnen ein bisschen aus.

Oft kommt dieses Gefühl der Einsamkeit jedoch nicht auf und wenn, dann ist es meist am nächsten Tag wieder verflogen oder spätestens wenn neue Dinge passieren. Deshalb gehe ich in solchen Momenten gern mal unter Menschen – in den nächsten Ort, ans Meer oder ich unternehme eine Wanderung und lass meinen Kopf unterwegs einfach arbeiten.

Meist kommt dann sehr schnell die Erkenntnis: hey, mir geht’s gut, ich habe mir meinen Traum erfüllt und habe die große Freiheit, mit dem Van durch die Welt zu reisen. Sicherlich wäre es schön, das ganze zusammen mit einem Partner zu erleben, aber darauf warten macht ja auch keinen Sinn – also geht’s weiter wie gehabt.

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Marko nimmt die Rolle des Beifahrers ein

Womit verdienst du unterwegs dein Geld?

Ich arbeite bereits seit 2011 als Freelancer bei CUCUZA und erstelle Websites für kleine und große Kunden. Dabei arbeite ich mit dem Content Management System WordPress, berate Kunden bei der Neugestaltung ihrer Website, baue neue Designs auf und optimiere bestehende Webseiten.

Das klappt bisher wunderbar, auch der „Umzug“ in den Van 2016 hat nicht viel an meinem Job verändert, außer dass ich immer mal an einem anderen Ort bin, wenn mich ein Kunde anruft.

Dies ist definitiv ein Vorteil, den ich auch gerne anderen Leuten mitteilen möchte: anstatt alle Zelte abzubrechen und sich planlos ins Vanlife zu stürzen, rate ich gerne dazu, sich vor Abreise ein Business aufzubauen, das von unterwegs weiter betrieben werden kann. Denn ein neues Business zu starten, während du gerade im Van irgendwo durch die Landschaft kurvst, stelle ich mir unheimlich schwer vor.

Zuhause in Deutschland kann man noch von seinem bisherigen Netzwerk vor Ort profitieren, kann sich Rat und Hilfe suchen bei diversen Institutionen, etc. Das geht sicherlich auch irgendwie von unterwegs, macht das ganze aber nicht unbedingt einfacher.

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Was würdest du anderen raten, die vor einer Entscheidung stehen und einfach nicht wissen, was sie tun sollen?

Mein Vorgehen ist immer recht pragmatisch: einfach machen bzw. ausprobieren!

Natürlich kommt es auf das Thema an. Wenn jemand sein Leben komplett umkrempeln möchte, gehören sicherlich einige Vorüberlegungen dazu.

Bei meinem Umzug in den Van habe ich mir vorab ein paar Fragen gestellt, die sehr hilfreich waren:

  • Was könnte maximal schief gehen, wenn ich diesen Schritt gehe?
  • Ist der „worst case“, welcher eintreten könnte, wirklich so schlimm, um deswegen den Versuch gar nicht erst zu wagen?
  • Was müsste passieren, wenn alles schief geht und ich die Entscheidung rückgängig machen müsste?

Dabei stelle ich ziemlich schnell fest, dass sich viele Entscheidungen im ersten Moment riesig und schwer anfühlen. Wenn man sich jedoch klar macht, dass fast jede Entscheidung auch wieder rückgängig gemacht werden kann und die Konsequenz dessen gar nicht weiter schlimm ist, geht es mit der Entscheidungsfindung bzw. den nächsten Schritten der Umsetzung oder Veränderung viel einfacher voran.

Hier kannst du mehr über Mandys und Markos Leben im Van erfahren:
Blog Movin’n’Groovin
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CUCUZA Webdesign

Hinweis

Der Schwerpunkt meiner Arbeit hat sich geändert.
Ich unterstütze Menschen mit Hunden aus dem Tierschutz, ihre individuellen Probleme im Zusammenleben gelassen zu meistern – gewaltfrei und positiv.
Hier erfährst du dazu mehr.