Vor ungefähr 10 Jahren habe ich Monika kennengelernt, die damals erfolgreich eine eigene Hundeschule geführt und mehrere Bücher rausgebracht hat. Doch dann hat sich ihr Leben komplett auf den Kopf gestellt – beruflich und privat.

Das sagt Monika über sich selbst: 
„Ich bin 48, komme aus dem Sauerland und bin über München, Allgäu, Unter- und Mittelfranken seit 2013 endlich in meinem sicheren Hafen angekommen. Ein echt bewegtes Leben bisher. Doch auch in den letzten fünf Jahren ist viel passiert. Langeweile kommt bei mir nie auf.“

In diesem Interview spricht sie ganz offen über die Hürden, die sie in den letzten 10 Jahren bewältigt und von einem Traum, den sie verwirklicht hat – lass dich inspirieren!

Vom Scheitern, Weitermachen und einem großen Traum

Monika, du hattest damals eine erfolgreich laufende Hundeschule und hast mehrere Bücher geschrieben. Doch dann hat sich beruflich und privat bei dir alles geändert. Was ist passiert? 

Im Jahr 2003 habe ich gemeinsam mit meinem damaligen Mann und einer Freundin eine Idee, die uns auf dem Hundeplatz kam, in die Tat umgesetzt: tragbare, robuste Hundesportgeräte fertigen und verkaufen. Wir entwickelten Geräte, die es zu dem Zeitpunkt noch nicht gab und hatten diese innerhalb kürzester Zeit gut promoted. Sie fanden in der Hunde-Szene regen Absatz.

Aber die liebe Konkurrenz schläft nicht – zwei der größten Tierbedarfs-Händler haben sich über Mittelsmänner unsere Produkte besorgt und im großen Stil in China nachgebaut. Der Markt-Preis war entsprechend niedrig. Gegen solche Größen konnten wir nicht ankämpfen, trotz Gebrauchsmusterschutz. 2006 mussten wir DinoSport (so hieß unser Unternehmen) schließen. Parallel dazu lief auch immer meine Hundeschule, die ich natürlich nach diesem Aus noch intensiver betrieben habe.

Privat nach einigem Hin- und Her, Trennung auf Zeit, Umzügen und anderem Chaos, haben mein damaliger Mann und ich entschieden, dass es für uns am Besten ist, wenn wir uns scheiden lassen.

Zu dem Zeitpunkt gab es noch zwei Hunde von ehemals vier – zwei waren viel zu früh wegen Krankheit über die Regenbogenbrücke gegangen. Louis, der Aussies meines Mannes und Usha, meine Labradorhündin. So gab es keine „Scheidungshunde“, jeder hat seinen Hund mitgenommen.

Wir lebten zu dem Zeitpunkt im Mittelfränkischen, der Heimat meines Ex-Mannes. Ich hatte durch meinen Hundetrainer-Job jemanden kennengelernt, mit dem ich nach der Trennung zusammen kam. Mit ihm habe ich drei Jahre gemeinsam verbracht. Bis … siehe weiter unten 😉

Wie alt warst du, als all das passiert ist und wie lange warst du schon selbstständig?

Ich war rund sieben Jahre selbständig und zum Zeitpunkt der Trennung war ich 39.

Du hast dir dann wieder eine Arbeit in Festanstellung gesucht.
Wie hast du dich dabei gefühlt, den Schritt von der Selbstständigkeit zurück zu machen?

Zurück in ein Angestelltenverhältnis hat mir eine gewisse Sicherheit zurückgegeben und den Druck von mir genommen etwas zu „müssen“.

Ich habe mich recht wohl gefühlt, auch wieder in einem Team arbeiten zu können. Als Hundetrainerin arbeitet man eher allein, auch wenn ich jeden Tag viele Menschen getroffen habe. Trainingspläne erstellen, das Training / Verhaltensberatung macht man „allein“.

Welche Gedanken sind dir dabei im Vorfeld durch den Kopf gegangen? Hast du zum Beispiel daran gezweifelt, ob du eine passende Stelle finden kannst oder ob es dir an Erfahrung in dem Bereich mangelt?

Gezweifelt, dass ich etwas nicht kann, habe ich nicht.
Durch meine Selbständigkeit war ich vielfältige Arbeit gewohnt und was man nicht weiß, kann man lernen.

Ich bin da immer zuversichtlich. Wichtig ist, dass man ehrlich im Job ist und zugeben kann, etwas nicht zu wissen oder zu können und bereit ist, das zu ändern.

Seitdem hast du – wenn ich das richtig in Erinnerung habe – noch mehrfach die Stelle gewechselt.
Was war für dich der Antrieb, dir etwas Neues zu suchen und was machst du aktuell?

Manchmal musste ich wechseln, weil entweder die Firma Insolvenz angemeldet hatte oder ich wegen Umstrukturierungen freigestellt wurde. Klar, als Unverheiratete ohne Kinder und zuletzt ins Unternehmen eingetreten, heißt das immer, dass man auch die erste ist, die gehen darf.

Da mein jetziger Mann im Schwäbischen wohnt, war es nach der Freistellung das Logischste, mir in seiner Gegend einen Job zu suchen und zu ihm zu ziehen. Das hat auch gleich geklappt und ich konnte nahtlos weiter machen.

Meine aktuelle Stelle habe ich mir gesucht, nachdem ich in der alten Anstellung massiv gemobbt wurde. Als ich dann auch noch aufgrund dieses Stresses Ausschlag im Gesicht bekommen habe, war klar, dass ich etwas ändern musste.

Aktuell bin ich verantwortlich für das Online- und Social Media Marketing eines international tätigen Herstellers von Fahrzeug- und Betriebseinrichtungen. Hier kann ich mein Multitalent, Wissen und Teamplay voll ausleben.

Langeweile im Job ist tödlich und ich kann einfach meinen Mund nicht halten, wenn ich eine Idee habe oder was hinterfrage 🙂

Monika ist eine Powerfrau

 

Auch privat bist du eine Macherin. Du hast mit 42 Jahren deinen Motorradführerschein gemacht und betreibst einen eigenen Bike Blog.
An wen richtest du dich damit und worum geht’s da?

Den Blog betreibe ich, weil ich a) sehr gerne schreibe und b) ich Frauen Mut machen möchte, dass es nichts gibt, was man nicht schaffen kann, egal wie alt man ist.

Hauptsächlich schreibe ich über Chopper, weil das die Motorräder sind, die ich liebe und selbst fahre. Es geht um Reisen und Touren mit solchen Schwergewichten, über Technik, Frauen mit der gleichen Leidenschaft, deren Motorräder und Custombikes im Allgemeinen.

Du schreibst auf deinem Blog „Bis Anfang 2013 ein ziemlich heftiges privates Erlebnis mich dazu brachte, wieder das zu tun, was MIR gut tut. Und das war das Projekt „Motorradführerschein offen“.
Magst du erzählen, was dieses heftige Erlebnis war und/oder wieso es dich dazu brachte, wieder auf dich zu hören?

Der Auslöser, mich wieder auf mich zu konzentrieren: Mein damaliger Lebensgefährte hat mich ohne Vorwarnung am 02. Januar 2013 sitzengelassen. Das auf besonders „freundliche“ Art.

Als ich nämlich am Nachmittag aus dem Büro kam, war die Wohnung, die wir erst 8 Wochen vorher gemeinsam bezogen hatten, halb leer geräumt und er hatte die Wohnungsschlüssel auf den Küchentisch gelegt. Dazu einen netten Brief mit dem sinngemäßen Inhalt: er habe sich in eine andere verliebt, das sei die Frau seines Lebens. Sie sei 20 Jahre jünger als ich und überhaupt, es ginge mit mir nicht mehr.

Das hat mich erst einmal total aus der Bahn geworfen. Ich wusste nicht, was ich denken sollte – schließlich wollten wir endlich in der gemeinsamen Wohnung unser Nest bauen, vielleicht noch einen Versuch mit Kindern starten und und und …

Da stand ich da, als hätte mich gerade eine Dampfwalze überrollt.
Aber gut – nach den ersten drei Tagen der totalen Trauer, die ich bei einer Freundin im Allgäu verbrachte, musste ich etwas ändern. Mein inneres Stehaufmännchen klopft dann an und sagt mir, dass ich mich nicht so anstellen soll.

Die Welt dreht sich auch ohne diesen Arschengel weiter. Außerdem habe ich erfahren, dass nach zwei Wochen die „Frau seines Lebens“ ihn auf den Topf gesetzt 😉 Er hat mir total leidgetan. Nicht. Innerlicher Reichsparteitag – tschakka.

Der Motorradführerschein war für mich die Erfüllung eines lang vergessenen Traums. Das musste ich machen.
Es war die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe. Die hat mir nämlich den besten Mann der Welt gebracht.

Wir haben uns im Internet kennengelernt – er suchte eine Frau mit Chopper, ohne Kinder und ich umgekehrt einen Mann mit eben so einem Motorrad. Profil angeschaut, telefoniert, getroffen und Amor hat seinen Pfeil treffsicher versenkt.

Wir fahren nun fast 5,5 Jahre gemeinsam auf unseren Motorrädern durch die Lande und im April 2015 haben wir „Ja“ zueinander gesagt.

Was geht es dir heute, wenn du auf all das zurückblickst.
Bedauerst du es, nicht mehr als Hundetrainerin zu arbeiten? So etwas ist doch schließlich ein Herzensjob und nicht bloß eine reine Arbeit zum Geldverdienen.

Nein, ich bedauere es nicht, den Hundetrainer-Job aufgegeben zu haben. Ich habe mich nach all den Jahren sehr ausgelaugt gefühlt.

Es gibt so viele Menschen, die einem die Energie rauben, weil sie die „Quick & Dirty“ Lösung von Dir erwarten und selbst nur wenig oder nichts zum Training beitragen. Natürlich gab es auch immer wieder tolle Menschen, die mir bestätigt haben, dass mein Job sinnvoll ist. Doch hauptsächlich war ich nicht mehr glücklich.

Irgendwann wurde es zum „Muss“ – und das hat meiner Meinung nach beim Hundetraining nichts verloren.

Was würdest du jemandem raten, der mit seinem Berufsleben unzufrieden ist, aber Angst hat, sich auf was Neues einzulassen.
Lieber die Zähne zusammenbeißen und durchhalten oder den Mut haben, es zu wagen?

Mein Credo ist: Wenn man nicht glücklich ist – leb‘ damit oder ändere es.

Macht mich der Job / das Umfeld krank, so wie mich, nutzen Gespräche mit Kollegen und Vorgesetzten nichts, dann ist es Zeit, aufzustehen und zu gehen.

Sicher ist nicht jede Veränderung besser. Erst einmal ist sie anders.
Man sollte sich nicht immer in Worst-Case-Szenarien flüchten und versuchen, Ausreden zu finden, warum man etwas nicht ändern kann. Denn nach meiner Erfahrung treten diese apokalyptischen Gehirngespinste in den aller-allerwenigsten Fällen ein.

Und wenn’s dann doch mal schief geht: Aufstehen und was anderes probieren, nur nicht dem Vergangenen hinterher trauern, sondern zu seiner Entscheidung stehen.
Ist manchmal nicht angenehm, aber warum sollte ich ein unglückliches Leben führen? Weil es meine Umwelt so von mir erwartet? Nein.

Liebe Monika, ich danke dir ganz herzlich für deine Offenheit und wünsche dir natürlich alles Gute!

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