„Was bedeutet eigentlich Abenteuer für dich?“

Diese Frage durfte ich neulich bei einem Interview für eine Frauenzeitschrift beantworten und habe anschließend noch ein wenig darüber nachgedacht.

Mit der Definition von Abenteuer ist das so eine Sache. Was für mich eines darstellt, bedeutet für jemand anderen vielleicht gähnende Langweile.

Nehmen wir zum Beispiel meinen Freund und mich, zwei komplett verschiedene Persönlichkeiten.

  • Wenn ich mit meiner Höhenangst über einen schmalen Wanderweg in den Bergen schleiche, ist das für mich ein Abenteuer.
  • Für meinen Freund ist das ein gemütlicher Spaziergang.

Ob etwas als Abenteuer empfunden wird, ist also etwas sehr Individuelles. Es hängt unter anderem mit deinem Lebensstil und deiner Persönlichkeit zusammen.

So sieht es auch mit meinem Alltag aus. Vor ein paar Jahren war dieser noch komplett durchgetaktet und geregelt. Zu dieser Zeit wäre es für mich ein Abenteuer gewesen, in einem Auto irgendwo in der freien Natur campen zu gehen.

Meinen persönlichen Werdegang verrate ich dir in diesem Hörbuch: „Vom Angsthasen zum Abenteurer“*

Mein abenteuerlicher Alltag

Täglich die gleiche Routine? Die gibt es nur noch bedingt.

Alle Tage fangen mit einem ausgiebigen Frühstück an, das ist mir wichtig. Allerdings blicke ich dabei nicht mehr jeden Tag auf denselben Baum vor meinem Fenster. Mal sehe ich das Meer, mal die Berge und mal ein weniger attraktives Industriegebiet, in dem wir eine Nacht mit unserem Bus verbringen.

Diese Ortswechsel haben schon das ein oder andere Mal für Verwirrung gesorgt. Manchmal werde ich nachts wach und habe keine Ahnung, wo ich gerade bin.

Vielleicht habe ich auch noch das Kopfkissen auf die andere Bettseite gelegt, weil der Bus schräg steht. Wo ist denn bloß das Fenster, das sonst links von mir ist? Je nachdem, wie verschlafen ich bin, kann so eine Desorientierung meinen Puls kurzfristig ziemlich in die Höhe treiben.

So alltägliche Handlungen wie das Duschen, Sport machen oder Meditieren bringen ebenfalls neue Herausforderungen mit sich.

Ausgiebig warm zu duschen, das ist seit drei Jahren auf ein Minimum reduziert. Also nur das warme Duschen, nicht das Duschen grundsätzlich. Das liegt daran, dass unser Bus lediglich eine Kaltwasser-Außendusche hat. Im Sommer ist das wunderbar, im Winter weniger. Der Wind pfeift und das Duschen wird zu einem Härtetest. Dazu kommt, dass es keinen Sichtschutz gibt. Wenn ich dusche, dann kann es passieren, dass mich andere dabei sehen. Deswegen einen Bikini anzuziehen, kommt mir aber nicht in den Sinn.

Zu meditieren oder ein paar Sportübungen zu machen, fällt ebenfalls in den öffentlichen Bereich. All das sind Dinge, die ich draußen mache, da im Bus kein Platz dafür ist. Wenn mich Leute dabei sehen, dann ist das so. Nicht immer finde ich dafür absolut einsame Plätze. Deshalb darauf zu verzichten, das will ich nicht.

Was ist mir wichtig?

Somit bedeutet mein Alltag, ständig zwischen meinen Bedürfnissen und dem, was in meinem Kopf vorgeht, abzuwägen. Die Frage „wie wichtig ist mir das jetzt“ ist mein ständiger Begleiter.

  • Wie wichtig ist es mir in diesem Moment, zu meditieren/Sport zu machen/zu duschen?
  • Und wie sehr stört es mich, wenn mich dabei jemand sieht? Was befürchte ich, was andere über mich denken könnten?

Vor allem der zweite Punkt ist spannend. Er zeigt mir, welche Gedanken durch meinen Kopf geistern.

  • Was hält mich davon ab, mein eigenes Ding zu machen?
  • Welche Ängste habe ich?
  • Welchen Erwartungen oder gesellschaftlichen Normen will ich gerecht werden?
  • Was denke ich, was „man“ nicht macht oder was sich nicht gehört?

Genau solche Situationen helfen mir, meine einschränkende Denkweisen zu erkennen und Neues zu probieren – oder auch nicht. Früher waren mir viele Dinge unangenehm oder sogar peinlich. Das ist inzwischen anders. Ich kann doch eh nicht beeinflussen, was in den Köpfen anderer Leute vor sich geht. Also achte ich lieber auf meine eigenen Gedanken und darauf, mit mir im Reinen zu sein.

Dieses Gefühl ist ziemlich befreiend.
Möglich wurde das nur dadurch, indem ich mich getraut habe, meine Komfortzone zu verlassen. Was passiert, wenn ich dieses oder jenes mache? Trifft meine Erwartung wirklich ein? Fühle ich mich tatsächlich so doof wie befürchtet? Oder ist alles halb so wild?

Alltag mal anders

Die Liste an Dingen, die inzwischen abenteuerlicher sind, ist noch nicht zu Ende. Wasser tanken wir teilweise per Hand, indem wir 8 Liter Kanister an einem Brunnen befüllen und dann in unseren Wassertank kippen. Da bekommt jeder Tropfen eine ganz neue Wertigkeit.

Oder ein Friseurbesuch. Ich mag meine langen Haare und möchte meistens nur die Spitzen geschnitten haben. Eventuell noch ein paar Stufen rein, fertig. Mit meinen überschaubaren Spanisch- und Griechischkenntnissen ist das aber jedes Mal aufs Neue ein Abenteuer. Mit Händen und Füßen mache ich mich verständlich und bin dann auf das Ergebnis gespannt. Mehr als einmal fiel die Frisur einige Zentimeter kürzer aus als geplant. Und dann? Geht das Leben trotzdem weiter.

Do you speak English, Spanish, Greek, French?

Mich in einer anderen Sprache zu unterhalten oder auszudrücken, auch das gehört zu meinem Alltag dazu. Nicht nur beim Einkaufen muss ich umdenken, sondern auch in anderen Lebensbereichen. Schließlich lerne ich immer wieder Leute aus den unterschiedlichsten Ländern kennen.

Schnell auf Englisch umzuschalten, ist inzwischen normal. Und wenn mein Gesprächspartner kein Englisch spricht, muss ich mich halt darauf einstellen. Wie gut meine Sprachkenntnisse sind, ist mir dabei egal – Hauptsache ich versuche es. Von Perfektionismus bin ich weit entfernt. Fehler zu machen und mir diese zuzugestehen, ist für mich zu etwas ganz Normalem geworden.

Was vielleicht so locker klingt, ist an manchen Tagen anstrengend.

Es gibt Momente, in denen ich nicht gut drauf oder gestresst bin. Momente, in denen ich es gerne einfach und leicht hätte. Dann habe ich weder Lust auf Smalltalk in einer Fremdsprache noch auf eine kalte Dusche im eisigen Wind. Auch das Leben im Bus hat immer zwei Seiten, die es zu berücksichtigen gilt.

Fazit

Mein Alltag lässt sich nicht mehr so planen, wie es früher der Fall war. Er ist mit mehr Herausforderungen verbunden und erfordert von mir mehr Flexibilität.

Gleichzeitig bin ich an genau diesen Herausforderungen gewachsen und habe neue Interessen entwickelt. Ja, mein Alltag fühlt sich noch immer abenteuerlich an, auch wenn damit keine Adrenalinkicks verbunden sind.

Das ist auch gar nicht notwendig. Mein Leben ist kein Wettkampf, bei dem es darum geht, andere an Abenteuern oder Coolness zu übertrumpfen. Ich möchte das Leben einfach mit all seinen Facetten spüren, nicht mehr und nicht weniger.

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