„Nur noch die eine Mail, dann mache ich Pause.“

Doch schon steht ein Kollege am Tisch und will was von dir. Also gut, dann erledigst du das noch, aber danach gehst du endlich in die Pause.

Und wieder kommt was dazwischen, dieses Mal ein Anruf. So geht es weiter und weiter. Deine Pause rückt immer mehr in den Hintergrund.

Am Ende läuft es darauf hinaus, dass du schnell in die Kantine sprintest, dir irgendwas zu essen holst, noch einen Kaffee runterkippst und zurück in dein Büro hechtest.

Da haben sich in der Zwischenzeit weitere dringende Aufgaben angesammelt und so langsam weißt du echt nicht mehr, wie du das jemals schaffen sollst. Abends bleibst du länger, anders ist all das gar nicht zu bewältigen.

Auf dem Heimweg springst du noch schnell in den Supermarkt und hetzt dann nach Hause. Es ist schon spät und du bist so kaputt, dass du zu nichts mehr Lust hast.

Es wäre so schön, mal wieder in Ruhe Sport zu machen, Freunde zu treffen oder ins Kino zu gehen, aber im Alltag fehlt dir dazu einfach die Energie.

Du fällst abends todmüde ins Bett, aber gut schlafen kannst du nicht.

Deine Gedanken drehen sich im Kreis und du kannst sie nicht stoppen.
Am nächsten Morgen bist du vollkommen gerädert und alles andere als erholt. Um in Ruhe zu frühstücken, dazu fehlt dir die Zeit. Das machst du im Büro.

Endlich Freitag!

Das langersehnte Wochenende steht vor der Tür. Du erledigst das, wozu du in der Woche nicht gekommen bist. Du putzt deine Wohnung, machst einen Großeinkauf, wäschst die Wäsche. Bevor nicht alles geschafft ist, gönnst du dir keine Ruhe.

Für deine Hobbys und Interessen bleibt selbst am Wochenende viel zu wenig Zeit. Und irgendwie fehlt dir auch die Energie. Selbst zu einem Treffen mit deinen Freunden musst du dich aufraffen.

Ab Sonntagabend läuft dein Gehirn schon wieder auf Hochtouren und stellt sich auf die anstehende Arbeitswoche ein. Das Wochenende geht rum wie nix und erholt hast du dich nicht.

Dafür wird deine Unzufriedenheit immer größer. Du könntest wegen Kleinigkeiten schier aus der Haut fahren!

Du warst doch früher nicht so?
Eigentlich bist du eine fröhliche und lebenslustige Person. Was ist bloß los, dass du auf einmal so gereizt und angespannt bist?

Arbeiten bis zum Umfallen

Dir fällt es schwer, Aufgaben an andere abzugeben. Wenn dich dein Chef oder ein Kollege um etwas bittet, quetschst du es noch auf deine ToDo Liste.
Du weißt, dass du mal Grenzen ziehen und Nein sagen solltest, aber du schaffst es nicht.

Stattdessen sagst du über dich:
„So bin ich halt.“

So kräftezehrend und stressig dein Job ist, so zuverlässig und verantwortungsvoll bist du trotzdem bei der Sache.

Wertschätzung bekommst du für deinen Einsatz jedoch keine, noch nicht einmal ein ehrliches Dankeschön. Deine Leistung wird als selbstverständlich angesehen – ist ja dein Job.

Dein Frust wird immer größer. 
Du bist erschöpft und lustlos. Deine ganze Energie bleibt auf der Arbeit hängen.

Du sehnst dich nach einer Auszeit, freust dich auf deinen Urlaub. Doch kaum bist du zurück, hat dich der Alltag wieder fest im Griff.

Immer häufiger stellst du dir die Frage, ob du das noch bis zur Rente weitermachen kannst und willst. Im Grunde ist dir die Antwort bereits klar, aber du weißt nicht, an welcher Stelle du anfangen kannst, etwas zu verändern.

Findest du dich in dieser Beschreibung wieder?

Dann willkommen im Club!

Genau so ging es mir damals, als ich noch angestellt in einem Großkonzern gearbeitet habe. Ich war umgeben von hochmotivierten Kollegen. Für sie war es eine Selbstverständlichkeit, morgens früher zu kommen und abends länger zu bleiben. Zwar haben sie darüber gejammert, aber das gehörte zum guten Ton.

Und ich habe mich eingefügt. Wollte nicht diejenige sein, die pünktlich Schluss macht und die anderen hängen lässt. Außerdem gab es ja wirklich eine Menge zu tun und die Bezahlung für den Job war ziemlich gut. Also habe ich die Zähne zusammengebissen und das Spiel mitgemacht.

Überstunden waren Normalität und Privatleben wurde völlig überbewertet. Das Leben spielte sich im Unternehmen ab.

Nach der Arbeit bin ich manchmal noch ins firmeneigene Fitnessstudio gesprungen und habe beim Spinning ein wenig Stress abgebaut. Aber ein richtiges Abschalten war das nicht. Die Gespräche der anderen drehten sich doch wieder nur um den Job.

Insgesamt sieben Jahre habe ich das Spiel mitgespielt – dann war ich im Eimer. Ausgebrannt, depressiv, kreuzunglücklich, leer.

Heute kann ich nur mit dem Kopf schütteln, wenn ich daran zurückdenke. Ich war auf der Suche nach Anerkennung und dachte, wenn ich gute Leistung bringe, dann fühle ich mich auch gut.

Pustekuchen!
Kein Hahn hat danach gekräht, als ich längere Zeit krank war, weil ich nicht mehr konnte. Meine Chefin hat sich lediglich dafür interessiert, wann ich wieder einsatzfähig bin.

Ich war für sie kein Mensch, sondern ein FTE (Full Time Employee). Etwas, das zu funktionieren und seinen Soll zu erfüllen hatte.

Und dafür reiße ich mir den Hintern auf?
Für ein Unternehmen, dem mein Wohlergehen komplett egal ist? Ich war wütend und enttäuscht.

Doch dann fragt mich eine Freundin, wie wichtig mir selbst denn mein Wohlergehen ist.
Wieso trage ich denn das Etikett „So bin ich halt“ wie eine Entschuldigung vor mir her und stemple damit mein Verhalten als unveränderbar ab?

Nicht als Ausreden

Hinter jedem Verhalten steckt eine positive Absicht, auch wenn diese auf den ersten Blick nicht zu erkennen ist.

  • Was is die Absicht dahinter, sich aufzuopfern und sich alle möglichen Aufgaben ans Bein zu binden?
  • Über seine Grenzen zu gehen, seine Gesundheit zu missachten und sich den Spaß am Leben zu rauben?

Bei mir war es der Wunsch nach Anerkennung.

Wenn ich nichts leiste, bin ich nichts wert – das ist ein Glaubenssatz, mit dem ich aufgewachsen bin.
Deshalb war es für mich selbstverständlich, dass erst die Arbeit und dann das Vergnügen kommt – im Job und auch privat.

Alles auf Anfang

Seit damals habe ich mein Berufsleben komplett auf den Kopf gestellt. Es war ein langer Prozess mit einigen Rückschlägen.

Auch als Selbstständige bin ich noch mehrfach in die selbstgemachte Leistungsfalle gelatscht. Schließlich heißt es ja „selbst“ und „ständig“, oder?

All das ist Blödsinn!
Das sind Ausreden und Denkweisen, die dich keinen Schritt weiterbringen. Es sind hinderliche Gedanken, aber Gedanken sind Gewohnheiten. Und Gewohnheiten kannst du durch regelmäßiges Training ändern.

Somit sind auch Verhaltensweisen weder in Stein gemeißelt noch unveränderbar.

Du bist nicht einfach zu gutmütig, zu hilfsbereit oder zu nett. Es ist deine Entscheidung, dich so zu verhalten und du hast jederzeit – jeden Tag – die Chance, daran etwas zu ändern. Aber alles beginnt in deinem Kopf.

Es geht darum herauszufinden, welche Muster und Gedanken dich zu diesem ungesundem Verhalten antreiben. Genau wie beim Muskeltraining oder bei Abnehmen kommt es dabei aufs Praktizieren an. Regelmäßig und konsequent.

Denk immer daran, dass du dir selbst gegenüber eine Verantwortung hast. 
Wenn du nicht gut für dich sorgst, wer sonst soll es tun?

Die Frage ist also nicht, ob es möglich ist, sondern ob du es dir wert bist.

 

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